Die Dämmerung gilt als beste Beißzeit, und für viele Arten stimmt das. Telemetriestudien zeigen bei Hecht, Zander, Barbe oder Rapfen klare Aktivitätsspitzen, wenn das Licht wechselt. Aber nicht jede Art folgt diesem Muster, und im kalten Wasser ändert es sich.
Warum gerade das Zwielicht
Fische unterscheiden sich stark darin, wie gut sie bei wenig Licht sehen. Der Zander hat eine reflektierende Schicht hinter der Netzhaut (Tapetum lucidum) und eine Netzhaut mit vielen Stäbchen für die Nacht. Der Barsch ist dagegen ein Sichtjäger, der nachts fast blind ist.
Daraus ergibt sich eine einfache Logik: In der Dämmerung sieht ein Räuber mit lichtempfindlichen Augen noch gut, seine Beute aber schlechter. Gleichzeitig ist es dunkel genug, dass lichtscheue Räuber aus der Tiefe ins Flache kommen. Viele Arten nutzen dieses Fenster für ihre Fressphasen.
Welche Art wann jagt
| Tagesmuster | Arten |
|---|---|
| Dämmerung | Hecht, Rotauge, Bachforelle, Rapfen, Hering |
| Dämmerung und Nacht | Zander, Karpfen, Brasse, Barbe, Dorsch, Plattfisch, Wolfsbarsch |
| Nacht | Wels, Aal, Schleie, Quappe |
| Tag | Barsch, Rotfeder, Regenbogenforelle, Äsche, Meerforelle, Hornhecht |
| ohne festes Muster | Döbel |
Diese Einteilung ist grob. Auch tagaktive Arten haben oft Spitzen in den Dämmerungen: Der Barsch zeigt Aktivitätsspitzen morgens, abends und mittags, die Äsche hat Maxima in der Dämmerung und frisst tagsüber durchgehend.
Die Dämmerungsjäger im Einzelnen
Hecht: Im Sommer liegen seine Aktivitätsspitzen in der Morgen- und Abenddämmerung, tagsüber ist er deutlich aktiver als nachts. Auch in den Fangexperimenten lagen die Fangraten in der Dämmerung höher (Kuparinen et al. 2010; Arlinghaus et al. 2017). Mehr im Beitrag Wann beißt der Hecht?.
Zander: Das Aktivitätsmaximum liegt in der Dämmerung. Tags steht er im tiefen Hauptstrom oder an Kanten, nachts im Flachen in der Uferzone (Horký et al. 2008). Er gehört zu den lichtscheuesten Arten in BiteButler. Mehr dazu unter Wann beißt der Zander?.
Rapfen: In Telemetriestudien in der Elbe und in Estland war er in der Dämmerung aktiver als tags und nachts (Horký & Slavík 2016; Kärgenberg et al. 2022).
Barbe: Im Sommer ist sie in Abend- und Morgendämmerung aktiv, mit Ausläufern in die Nacht (Baras 1995).
Die Nachtaktiven
Für Aal, Wels, Schleie und Quappe ist die Abenddämmerung eher der Startschuss als der Höhepunkt.
- Der Aal verlässt nach Sonnenuntergang seinen Unterstand, bei bedecktem Himmel früher. Am aktivsten ist er in der ersten Nachthälfte. Mehr unter Aal angeln: wann?.
- Der Wels steigt in Sommer und Herbst in der Dämmerung vom Grund an die Oberfläche und jagt über Nacht.
- Die Schleie ist streng nachtaktiv und tags in Ruhegruppen fast völlig inaktiv (Herrero et al. 2003; Perrow et al. 1996). Die alte Anglerregel von Dämmerungsbissen im Frühsommer passt trotzdem dazu: Die Dämmerung ist der Übergang in ihre aktive Phase.
- Die Quappe ist tags inaktiv und ab der Dämmerung die ganze Nacht aktiv.
Im kalten Wasser ändert sich das Muster
Die Tageszeit, zu der eine Art frisst, ist nicht fest. Mehrere Arten stellen bei kaltem Wasser um:
- Hecht: Unter etwa 8 °C ist er gleichmäßig tagaktiv, die wärmeren Mittagsstunden sind dann oft die besten.
- Wels: Unter etwa 12 °C liegt die geringe Restaktivität am Tag.
- Barbe: Bei kühlem Wasser unter etwa 10 °C verschiebt sich ihre Aktivität ebenfalls in den Tag.
- Rotauge: Beim Abkühlen unter 10 °C verlagert es sein Fressen in Dämmerung und Nacht (Hautala 2008).
- Bachforelle: Unter etwa 9 °C wird sie nachtaktiv und versteckt sich tags im Substrat (Heggenes et al. 1993).
- Regenbogenforelle: Unter etwa 8 °C frisst sie vor allem kurz nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang (Riehle & Griffith 1993).
Wer im Winter angelt, findet mehr dazu unter Angeln im Winter.
Wolken und Trübung verlängern die Dämmerung
Unter Wasser zählt nicht die Uhrzeit, sondern das Licht. Bedeckter Himmel und trübes Wasser verlängern beim Zander die Beißzeit in den Tag. Der Aal kommt bei bedecktem Himmel früher aus seinem Versteck. Ein grauer, trüber Tag kann für lichtscheue Arten also über Stunden wie eine lange Dämmerung wirken. Mehr dazu unter Angeln bei trübem Wasser.
Tipp: Sei vor Beginn der Dämmerung am Platz und fertig montiert. Die aktive Phase ist oft kurz, und die Zeit für Aufbau und Platzsuche fehlt sonst genau dann, wenn die Fische fressen.
So rechnet BiteButler damit
BiteButler berechnet für jede Art und jede Stunde einen Aktivitätsindex von 0 bis 100. Die Tageszeit geht je Art unterschiedlich streng ein: Bei Schleie und Wels konzentriert sich die Aktivität fast ganz auf ihre aktive Zeit, bei Rotfeder oder Plattfisch ist sie über den Tag verteilt. Liegt die Wassertemperatur unter der Schwelle einer Art, wechselt die App auf ihr Kältemuster, beim Hecht also auf Tagaktivität.
Die genauen Dämmerungszeiten für deinen Ort zeigt das Tool Dämmerung, die Beißzeiten für heute stehen unter Beißzeiten heute. Für Premium-Nutzer plant BiteButler zusätzlich jede Stunde mit Wo, Tiefe, Methode, Köder und Wie, siehe Preise. Ob der Mond eine Rolle spielt, steht unter Mond und Angeln.
Quellen
- Horký, P., Slavík, O. & Bartoš, L. (2008). A telemetry study on the diurnal distribution and activity of adult pikeperch in a riverine environment. Hydrobiologia 614.
- Kuparinen, A., Klefoth, T. & Arlinghaus, R. (2010). Abiotic and fishing-related correlates of angling catch rates in pike. Fish. Res. 105.
- Arlinghaus, R. et al. (2017). Determinants of angling catch of northern pike as revealed by a controlled whole-lake catch-and-release angling experiment. Fish. Res. 186.
- Horký, P. & Slavík, O. (2016). Diel and seasonal rhythms of asp Leuciscus aspius in a riverine environment. Ethol. Ecol. Evol. 29.
- Kärgenberg, E. et al. (2022). Annual and diel activity cycles of a northern population of the large migratory cyprinid fish asp. Environ. Biol. Fish. 105.
- Baras, E. (1995). Seasonal activities of Barbus barbus: effect of temperature on time-budgeting. J. Fish Biol. 46.
- Herrero, M. J., Madrid, J. A. & Sánchez-Vázquez, F. J. (2003). Entrainment to light of circadian activity rhythms in tench. Chronobiol. Int. 20.
- Perrow, M. R., Jowitt, A. J. D. & Johnson, S. R. (1996). Factors affecting the habitat selection of tench in a shallow eutrophic lake. J. Fish Biol. 48.
- Hautala, A. (2008). Temperature-dependent shift in the diel feeding pattern of roach. J. Fish Biol. 73.
- Heggenes, J. et al. (1993). Homeostatic behavioural responses in a changing environment: brown trout become nocturnal during winter. J. Anim. Ecol. 62.
- Riehle, M. D. & Griffith, J. S. (1993). Changes in habitat use and feeding chronology of juvenile rainbow trout in fall and the onset of winter. Can. J. Fish. Aquat. Sci. 50.