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Angeln im Winter: Welche Fische bei Kälte noch beißen

Angeln im Winter: Welche Fische bei kaltem Wasser fressen, welche Winterruhe halten, warum Mittag oft besser ist als Dämmerung und welche Schonzeiten gelten.

Im Winter wird es am Wasser ruhig. Viele Arten fressen kaum noch, einige halten Winterruhe. Andere bleiben fangbar, und eine Art hat im Winter sogar ihre beste Zeit.

Warum Kälte so viel ausmacht

Fische sind wechselwarm. Ihre Körpertemperatur folgt der Wassertemperatur, und mit ihr Stoffwechsel und Verdauung. Ein Hecht frisst bei 20 °C etwa jeden zweiten Tag, bei 10 °C nur alle drei bis vier Tage (Diana 1979). Bei noch kälterem Wasser werden die Pausen länger. Wie eng diese Grenzen bei den einzelnen Arten liegen, erklärt der Beitrag Wassertemperatur und Beißverhalten.

Wer im Winter frisst und wer ruht

ArtWinterBemerkung
QuappeHauptsaisonKaltwasser-Spezialist, laicht bei 1 bis 4 °C
Hechtgutfrisst ab knapp über 0 °C, Schonzeit beginnt meist im Februar
Regenbogenforellegutkältetoleranter als die Bachforelle
Döbelmäßigfrisst ganzjährig, im Winter reduziert
Rotaugemäßigfrisst auch bei 5 °C, dann vor allem Detritus
Barschmäßigfrisst wenig, zieht ins Tiefe
Zandermäßig
Brassemäßigbleibt aktiv, frisst reduziert
Barbeschwachunter 4 °C Winterruhe in Schwärmen
WelskaumFressen endet bei etwa 7 °C
Karpfenkaumunter 10 °C kaum Nahrungssuche
Schleiekaumunter 10 °C im Schlamm eingegraben
AalWinterruhevon Oktober bis April

Die Quappe: Winter ist ihre Zeit

Die Quappe ist der einzige Süßwasserdorsch und ein Kaltwasser-Spezialist. Im Sommer über 20 °C frisst sie kaum (Hardewig et al. 2004), im Winter dagegen ist sie in ihrem Element. Sie ist tags inaktiv und ab der Dämmerung die ganze Nacht unterwegs, oft mit Aufstieg ins flachere Wasser. Gelaicht wird bei 1 bis 4 °C, oft unter Eis. In dieser Zeit gilt regional eine Schonzeit, typisch zwischen November und Februar.

Hecht und Zander: große Köder, lange Pausen

Der Hecht frisst schon ab knapp über 0 °C und bleibt den ganzen Winter fangbar. Weil er im kalten Wasser langsam verdaut, nimmt er gern große Happen. Auch der Zander frisst im kalten Wasser seltener als im warmen, und auch bei ihm sind im Winter größere Köder eine Überlegung wert. Im Fluss zieht der Zander von September bis Dezember zum Fressen flussabwärts (Koed et al. 2000, 2002). Mehr dazu unter Wann beißt der Zander? und Die richtige Ködergröße.

Barsch, Döbel, Rotauge, Brasse

Der Barsch frisst auch im Winter, aber wenig. Bei 4 bis 8 °C ist er am wenigsten aktiv und frisst grundnah (Linløkken et al. 2010). Im Herbst und Winter wandert er ins Tiefe ab (Westrelin et al. 2018). Der Döbel frisst im Winter neben Fisch vor allem Köcherfliegenlarven (Hellawell 1971). Das Rotauge frisst auch bei 5 °C, dann vor allem Detritus. Die Brasse bleibt aktiv, frisst reduziert und sucht sauerstoffreiche Zonen (Jurajda et al. 2018).

Forellen und Äsche

Die Regenbogenforelle verträgt Kälte besser als die Bachforelle. Unter etwa 8 °C versteckt sie sich tags und frisst kurz nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang. Die Bachforelle wird unter etwa 9 °C nachtaktiv (Heggenes et al. 1993), hat aber meist ohnehin Schonzeit. Die Äsche bleibt im Winter tagaktiv und frisst um die Mittagszeit, ihre Schonzeit beginnt vielerorts im Januar.

Mittag statt Dämmerung

Im Sommer sind die Dämmerungen die klassischen Beißzeiten. Im Winter ändert sich das bei mehreren Arten:

  • Der Hecht ist unter etwa 8 °C gleichmäßig tagaktiv, die wärmeren Mittagsstunden sind dann oft die besten. Küstenhechte steigen an sonnigen Tagen sogar gezielt ins warme Oberflächenwasser (Nordahl et al. 2019).
  • Beim Wels liegt die geringe Restaktivität unter etwa 12 °C am Tag.
  • Die Barbe wird bei kühlem Wasser unter etwa 10 °C ebenfalls tagaktiv.
  • Das Rotauge frisst unter 10 °C dagegen eher in Dämmerung und Nacht (Hautala 2008).

Mehr zu den Tagesmustern steht unter Angeln in der Dämmerung.

Tipp: Nach einigen sonnigen, windstillen Tagen erwärmen sich flache Buchten zuerst. An einem kalten Wintertag kann schon etwas wärmeres Wasser den Unterschied machen.

Schonzeiten im Winter

Die Schonzeiten sind je Bundesland unterschiedlich. Verbindlich sind das Landesfischereigesetz, die Fischereiverordnung deines Landes und die Gewässerordnung deines Vereins. Typische Zeiträume:

  • Hecht: typisch 15.02. bis 30.04.
  • Bachforelle: typisch 15.10. bis 15.03.
  • Äsche: typisch 01.01. bis 30.04. oder 15.05., in einigen Regionen ganzjährig geschützt.
  • Meerforelle: gefärbte Fische sind geschont, typisch 01.10. bis 31.12., je nach Land unterschiedlich.
  • Quappe: regional zwischen November und Februar.
  • Aal: Schonzeiten im Herbst und Winter nach EU-Aalverordnung und Landesrecht. In Nord- und Ostsee ist die Freizeitfischerei auf Aal 2026 ganzjährig verboten.
  • Dorsch: Gezieltes Angeln ist in der Ostsee 2026 ganzjährig verboten.

Eine Übersicht findest du unter Schonzeiten.

Was im Winter an der Küste geht

An der Küste ist der Winter schwierig. Wolfsbarsch, Makrele und Hornhecht sind nicht da. Plattfische laichen von Dezember bis März vor der Küste und sind dann kaum erreichbar. Die Meerforelle überwintert in geschützten Buchten und frisst bis etwa 2 °C. Nach dem Ende der typischen Schonzeit ist sie ab Januar wieder ein Ziel. Mehr dazu unter Meerforelle an der Küste.

So rechnet BiteButler damit

BiteButler berechnet für jede Art und Stunde einen Aktivitätsindex von 0 bis 100. Im Winter drücken Jahreszeit und Wassertemperatur den Index der meisten Arten, bei der Quappe steigt er. Unterschreitet das Wasser die Schwelle einer Art, wechselt die App auf ihr Kältemuster, beim Hecht etwa auf Tagaktivität. Bei Hecht und Zander empfiehlt sie im kalten Wasser größere Köder.

Welche Arten bei deiner Wassertemperatur noch im Bereich sind, zeigt Welche Fische beißen. Konkrete Monatsübersichten stehen unter Angeln im Dezember, Januar und Februar, Temperaturseiten etwa unter Angeln bei 2 Grad und Angeln bei 4 Grad. Für Premium-Nutzer gibt es zusätzlich einen Plan pro Stunde mit Wo, Tiefe, Methode, Köder und Wie, siehe Preise. Was in die Tasche gehört, steht in der Packliste.

Quellen

  • Diana, J. S. (1979). The feeding pattern and daily ration of a top carnivore, the northern pike. Canadian Journal of Zoology 57.
  • Nordahl, O. et al. (2019). Vertical movements of coastal pike, on the role of sun basking. Ecol. Freshw. Fish 28.
  • Hardewig, I., Pörtner, H. O. & van Dijk, P. L. M. (2004). How does the cold stenothermal gadoid Lota lota survive high water temperatures during summer? J. Comp. Physiol. B 174.
  • Koed, A. et al. (2000, 2002). Movements of adult pikeperch in a lowland river.
  • Linløkken, A. N., Bergman, E. & Greenberg, L. A. (2010). Effect of temperature and roach group size on swimming speed and prey capture rate of perch and roach. J. Fish Biol. 76.
  • Westrelin, S. et al. (2018). Habitat use and preference of adult perch in a deep reservoir. Hydrobiologia 809.
  • Hellawell, J. M. (1971). The autecology of the chub of the River Lugg and the Afon Llynfi. III. Diet and feeding habits. Freshw. Biol. 1.
  • Jurajda, P. et al. (2018). Winter activity of common bream in a reservoir. Fish. Manag. Ecol. 25.
  • Heggenes, J. et al. (1993). Homeostatic behavioural responses in a changing environment: brown trout become nocturnal during winter. J. Anim. Ecol. 62.
  • Hautala, A. (2008). Temperature-dependent shift in the diel feeding pattern of roach. J. Fish Biol. 73.
  • Bajer, P. G., Chizinski, C. J. & Sorensen, P. W. (2011). Using the Judas technique to locate and remove wintertime aggregations of invasive common carp. Fish. Manag. Ecol. 18.

Häufige Fragen

Welche Fische beißen im Winter am besten?

Die Quappe hat im Winter ihre Hauptsaison. Auch Hecht, Regenbogenforelle, Döbel, Rotauge, Barsch und Zander bleiben fangbar, wenn auch weniger aktiv als im Herbst.

Zu welcher Tageszeit sollte man im Winter angeln?

Beim Hecht sind unter etwa 8 °C Wassertemperatur die wärmeren Mittagsstunden oft die besten. Quappe und Rotauge fressen im kalten Wasser dagegen eher in Dämmerung und Nacht.

Beißt der Karpfen im Winter?

Selten. Unter etwa 10 °C bildet der Karpfen Winteraggregationen und sucht kaum noch Nahrung (Bajer et al. 2011).

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