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Angeln bei trübem Wasser: Welche Fische profitieren, welche nicht

Angeln bei trübem Wasser: Welche Fische bei Trübung besser beißen, welche Sichtjäger leiden und welche Köderfarben und Köder im trüben Wasser funktionieren.

Nach Regen, bei Wind oder im Hochsommer mit Algenblüte wird das Wasser trüb. Für manche Arten ist das ein Vorteil, für andere ein Problem. Entscheidend ist, wie eine Art ihre Beute findet: mit den Augen oder mit Geruch, Barteln und Seitenlinie.

Wie Fische Beute finden

Fische nutzen mehrere Sinne. Sichtjäger wie Barsch, Rapfen oder die Forellen erkennen ihre Beute mit den Augen. Andere Arten jagen vor allem mit Geruch, Geschmack und Seitenlinie:

  • Der Wels hat kleine Augen und jagt mit Barteln, Seitenlinie und Geschmack.
  • Der Aal ist ein Geruchs- und Tastjäger.
  • Die Barbe ist ein chemosensorischer Grundfisch mit Barteln.
  • Der Karpfen wühlt am Grund und erzeugt selbst Trübung.

Für diese Arten verliert trübes Wasser wenig. Sie haben dann eher einen Vorteil, weil ihre Beute sie schlechter sieht.

Welche Art wie auf Trübung reagiert

ReaktionArten
profitiertZander, Wels, Aal, Karpfen, Schleie, Brasse, Barbe, Quappe, Plattfisch, Wolfsbarsch
tolerantHecht, Rotauge, Rotfeder, Döbel, Dorsch, Hering
braucht SichtBarsch, Bachforelle, Regenbogenforelle, Äsche, Rapfen, Makrele, Meerforelle, Hornhecht

Der Zander: Gewinner der Trübung

Der Zander ist lichtscheu und hat eine Netzhaut für die Nacht. Im trüben Wasser frisst er unvermindert (Ljunggren & Sandström 2007). Trübes Wasser und bedeckter Himmel verlängern seine Beißzeit in den Tag: Was im klaren See nur in der Dämmerung klappt, funktioniert im trüben Fluss oft auch mittags. Mehr dazu unter Wann beißt der Zander?.

Ähnlich profitiert die Flunder aus der Gruppe der Plattfische, die als trübungsliebend gilt, und an der Küste der Wolfsbarsch, der in aufgewühltem Wasser jagt.

Der Hecht: tolerant, aber Sichtjäger

Der Hecht ist ein Sichtjäger, der Licht braucht, kommt mit leichter Trübung aber gut zurecht. In den Fangexperimenten lagen seine Fangraten bei kräftigem Wind höher (Kuparinen et al. 2010; Arlinghaus et al. 2017), und Wind trübt das Ufer an. Leichte Trübung am angeblasenen Ufer schließt gute Hechttage also nicht aus. Mehr dazu unter Angeln bei Wind.

Die Sichtjäger: Barsch, Forellen, Äsche

Für Sichtjäger wird die Jagd im trüben Wasser schwieriger. Die Regenbogenforelle ist sehr empfindlich gegen Trübung: Ihre Reaktionsdistanz zum Köder nimmt ab (Barrett et al. 1992). Die Äsche ist sehr trübungs- und sauerstoffempfindlich und weicht bei Hochwasser aus, statt zu fressen (Horká et al. 2015). Der Hornhecht bevorzugt klares Wasser.

Der Barsch ist ein Sonderfall. Er ist tagaktiver Sichtjäger, passt sein Verhalten aber an: In trüben, nährstoffreichen Seen ist er über den ganzen Tag aktiv (Jacobsen et al. 2015). Statt nur in den Dämmerungen kann es dort also den ganzen Tag Bisse geben. Mehr unter Wann beißt der Barsch?.

Auch das Rotauge verhält sich in trüben Seen anders: Tags verteilt es sich gleichmäßig (Jacobsen et al. 2004).

Trübung an der Küste

Auch im Meer reagieren die Arten unterschiedlich. Der Wolfsbarsch hält sich an Brandungskanten und Stellen mit starker Tidenströmung auf und jagt in aufgewühltem Wasser. Der Dorsch kommt mit Trübung gut zurecht, seine Netzhaut ist sehr lichtempfindlich. Meerforelle, Makrele und Hornhecht jagen dagegen auf Sicht. Nach einem Sturm mit stark aufgewühltem Wasser lohnt es sich für sie, auf klarere Bereiche oder ruhigere Tage zu warten. Mehr zur Küste steht unter Meerforelle an der Küste.

Köderfarbe und Köderwahl im trüben Wasser

Wasser filtert Licht. Rot verschwindet zuerst, Blau und Grün dringen am tiefsten. In trübem, grünlichem Seewasser verschiebt sich das Licht zusätzlich ins Grüngelbe. Daraus folgen einige Faustregeln:

  • Grelle Farben: Chartreuse oder Firetiger leuchten im grüngelben Licht. Chartreuse gehört bei Hecht und Zander zu den Farben, die sie gut sehen.
  • Kontrast: Wichtiger als der genaue Farbton ist, ob der Köder sich vom Hintergrund abhebt. Der Zander erkennt im Dunkeln und im trüben Wasser vor allem Kontrast.
  • Druck und Geruch: Beim Wels ist Farbe zweitrangig. Kontrast, Druckwelle und Geruch zählen mehr. Für Aal, Barbe, Quappe und Karpfen sind Naturköder mit Geruch oft die bessere Wahl.

Mehr zum Farbsehen der einzelnen Arten steht im Beitrag Welche Köderfarbe?. Einen Vorschlag für deine Bedingungen macht der Köder-Berater.

Tipp: Halte eine Hand mit einem hellen Köder ins Wasser und schau, ab welcher Tiefe du ihn nicht mehr siehst. Das gibt dir ein grobes Gefühl dafür, wie trüb dein Gewässer gerade ist.

Woher die Trübung kommt

Nicht jede Trübung ist gleich. Wind wühlt Flachwasser auf, Regen spült Material ins Gewässer und lässt Flüsse steigen, im Sommer trüben Algen das Wasser. Ein leicht steigender, angetrübter Fluss gilt beim Döbel und bei der Barbe als günstig. Bei starkem Hochwasser ziehen sich dagegen viele Arten in Stillwasser, Altarme und Kehrwasser zurück. Mehr dazu unter Angeln bei Regen.

So rechnet BiteButler damit

BiteButler berechnet für jede Art und jede Stunde einen Aktivitätsindex von 0 bis 100. Wie trüb dein Gewässer ist, geht dabei je Art unterschiedlich ein: Beim Zander hebt Trübung die Aktivität am Tag, bei Forellen und Äsche senkt sie die Chancen. Auch die vorgeschlagene Köderfarbe richtet sich nach der Trübung, nach dem Licht und danach, welche Farben die Art sieht.

Für Premium-Nutzer plant die App zusätzlich jede Stunde mit Wo, Tiefe, Methode, Köder und Wie, siehe Preise. Die Beißzeiten für heute zeigt Beißzeiten heute.

Quellen

  • Ljunggren, L. & Sandström, A. (2007). Influence of visual conditions on foraging and growth of juvenile fishes with dissimilar sensory physiology. J. Fish Biol. 70.
  • Barrett, J. C., Grossman, G. D. & Rosenfeld, J. (1992). Turbidity-induced changes in reactive distance of rainbow trout. Trans. Am. Fish. Soc. 121.
  • Horká, P. et al. (2015). Radio-telemetry shows the importance of turbidity and discharge for grayling movement. J. Fish Biol. 86.
  • Jacobsen, L. et al. (2015). Behavioural strategy of large perch varies between a mesotrophic and a hypereutrophic lake. J. Fish Biol. 86.
  • Jacobsen, L., Berg, S., Jepsen, N. & Skov, C. (2004). Does roach behaviour differ between shallow lakes of different environmental state? J. Fish Biol. 65.
  • Kuparinen, A., Klefoth, T. & Arlinghaus, R. (2010). Abiotic and fishing-related correlates of angling catch rates in pike. Fish. Res. 105.
  • Arlinghaus, R. et al. (2017). Determinants of angling catch of northern pike as revealed by a controlled whole-lake catch-and-release angling experiment. Fish. Res. 186.

Häufige Fragen

Welche Fische beißen bei trübem Wasser?

Vor allem Arten, die nicht auf gute Sicht angewiesen sind: Zander, Wels, Aal, Barbe, Karpfen, Schleie, Brasse, Quappe sowie Flunder und Wolfsbarsch an der Küste. Der Zander frisst bei Trübung unvermindert (Ljunggren & Sandström 2007).

Welche Köderfarbe bei trübem Wasser?

Grelle Farben wie Chartreuse oder Firetiger, die im grüngelben Licht trüber Gewässer leuchten, und starke Kontraste. Rot verliert im Wasser schnell an Wirkung.

Beißen Forellen bei trübem Wasser?

Schlechter. Regenbogenforellen sind sehr empfindlich gegen Trübung, ihre Reaktionsdistanz zum Köder sinkt (Barrett et al. 1992). Auch Bachforelle und Äsche jagen auf Sicht.

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