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Luftdruck und Beißverhalten: Was die Forschung wirklich sagt

Fallender Luftdruck, steigender Luftdruck, Wetterumschwung: Was Fangexperimente über Luftdruck und Beißverhalten zeigen, und was stattdessen zählt.

Kaum eine Angelregel hält sich so hartnäckig wie die vom Luftdruck: Fällt das Barometer, beißen die Fische, steigt es, ist Schluss. Für viele Angler ist der Blick auf die Druckkurve fester Teil der Planung. Was sagen kontrollierte Studien dazu?

Das Experiment mit dem ganzen See

Die belastbarsten Daten gibt es für den Hecht. In zwei Ganzsee-Experimenten haben Forschende über lange Zeiträume festgehalten, wann Hechte gefangen wurden, und das mit Wetter, Wasser und Licht abgeglichen (Kuparinen et al. 2010; Arlinghaus et al. 2017). Das Ergebnis:

  • Höhere Fangraten bei kräftigem Wind
  • Höhere Fangraten bei kühlem Wasser
  • Höhere Fangraten in der Dämmerung
  • Höhere Fangraten um Voll- und Neumond
  • Kein messbarer Effekt des Luftdrucks

Der Luftdruck war im Modell schlicht nicht nötig, um die Fänge zu erklären. Wind, Wassertemperatur und Licht taten das viel besser.

Für die Meerforelle an der Küste zeigen Telemetriestudien Ähnliches: Oberflächentemperatur und Wind erklären ihre Aktivität besser als der Luftdruck.

Warum die Regel trotzdem oft zu stimmen scheint

Luftdruck kommt selten allein. Ein fallendes Barometer kündigt meist eine Front an, und mit ihr kommen Wind, Wolken, Regen und oft ein Temperatursprung. Diese Begleiter wirken nachweislich:

  • Wind treibt Nahrung ans angeblasene Ufer, trübt das Wasser und macht Räuber mutiger. Beim Hecht gehört er zu den stärksten Faktoren überhaupt.
  • Wolken dämpfen das Licht. Lichtscheue Arten wie der Zander jagen dann länger in den Tag hinein.
  • Abkühlung nach einer Kaltfront mischt das Wasser durch und kann die Aktivität für einen oder zwei Tage drücken, vor allem bei Arten im flachen, warmen Wasser wie dem Barsch.

Wer nur aufs Barometer schaut, sieht also oft die richtigen Tage, aber aus dem falschen Grund. Und an Tagen, an denen der Druck fällt, ohne dass Wind oder Wolken kommen, passiert dann eben nichts.

Was Fischen der Druck physikalisch ausmacht

Ein Wetterwechsel ändert den Luftdruck um vielleicht 10 bis 20 hPa. Ein Meter Wassertiefe entspricht schon etwa 100 hPa. Ein Fisch, der einen halben Meter auf- oder absteigt, erlebt also mehr Druckänderung als durch jede Wetterfront. Dass Fische den Wetterdruck direkt spüren und danach fressen, ist deshalb wenig plausibel. Dass sie auf das reagieren, was mit der Front kommt, ist gut belegt.

So rechnet BiteButler mit dem Luftdruck

BiteButler zeigt den Luftdruck und seine Tendenz in jeder Prognose, gewichtet die Tendenz aber gering. Stärker zählt eine erkannte Wetterfront mit Abkühlung, und auch das je nach Art unterschiedlich: Den Barsch drückt eine Kaltfront stärker als den Hecht. Vor einer scharfen Front, im schwülen Warmsektor, steigt die Aktivität mancher Arten dagegen, beim Wels besonders deutlich.

Viel mehr Gewicht haben Wassertemperatur, Jahreszeit, Licht und Wind. Welche Arten bei deiner Wassertemperatur gerade in ihrem Bereich sind, zeigt das Temperatur-Tool. Dämmerung, Wind und Drucktrend für deinen Ort findest du unter Beißzeiten heute.

Quellen

  • Kuparinen, A., Klefoth, T. & Arlinghaus, R. (2010). Abiotic and fishing-related correlates of angling catch rates in pike. Fisheries Research 105.
  • Arlinghaus, R. et al. (2017). Determinants of angling catch of northern pike as revealed by a controlled whole-lake catch-and-release angling experiment. Fisheries Research 186.
  • Kristensen, M. L. et al. (2018). Temperature and depth preferences of adult sea trout during the marine migration phase. Marine Ecology Progress Series 599.

Häufige Fragen

Beißen Fische bei fallendem Luftdruck besser?

Kontrollierte Fangexperimente mit Hechten fanden keinen Effekt des Luftdrucks (Kuparinen et al. 2010; Arlinghaus et al. 2017). Wind, kühles Wasser und Dämmerung erklärten die Fänge besser.

Warum scheint die Luftdruck-Regel trotzdem oft zu stimmen?

Ein fallendes Barometer kündigt meist eine Front an, und mit ihr kommen Wind, Wolken und Temperaturwechsel. Diese Begleiter wirken nachweislich auf das Beißverhalten.

Spüren Fische den Luftdruck?

Ein Wetterwechsel ändert den Luftdruck um etwa 10 bis 20 hPa, ein Meter Wassertiefe entspricht schon rund 100 hPa. Ein direkter Effekt des Wetterdrucks ist deshalb wenig plausibel.

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